Geniale Idee zum Weiterempfehlen

(Foto: Archiv/PR)

Teilzeit-Ausbildungen und Teilzeit-Umschulungen sind ungewöhnliche Instrumente der Arbeitsmarkt-Politik und bieten große Chancen.

So viel Lob von Chefinnen und Chefs für ihre Angestellten ist bestimmt nicht der Standard: „Galina Preisel war von Anfang an mit Herz und Seele bei der Sache“, lobt die öffentlich bestellte und vereidigte Immobilien-Sachverständige Ina Viebrok-Hörmann aus Bremerhaven ihre Mitarbeiterin. Die junge Frau sei seit Beginn der Zusammenarbeit vor rund fünf Jahren überdurchschnittlich engagiert und „ein echter Glücksgriff“, fügt Frau Viebrok-Hörmann hinzu. Dieses Lob hat einen besonderen Stellenwert. Denn die Sachverständige hatte sich bei Galina Preisel auf ein kleines Experiment eingelassen: Die mittlerweile 28-jährige Mutter von zwei Kleinkindern (mittlerweile sechs und acht Jahre alt) wurde nämlich in Teilzeit ausgebildet.

Und Teilzeit-Ausbildungen sind in der regionalen Wirtschaft eine große Ausnahme. Demgegenüber haben sich Teilzeit-Umschulungen schon stärker durchgesetzt.

Im Sachverständigen-Büro von Ina Viebrok-Hörmann wurde Galina Preisel zur Kauffrau für Bürokommunikation ausgebildet und nach der Lehre übernommen. Galina Preisel hatte sich sofort für den Beruf begeistert. Denn: „Ich erlebe viel, weil ich längst nicht nur am Schreibtisch sitze, sondern auch die unterschiedlichsten Häuser und Grundstücke besichtige.“ Bevor Galina Preisel ihre berufliche Chance bekam, hatte sie zahlreiche Bewerbungen verschickt und keinen Erfolg damit gehabt. Umso motivierter war sie, als es endlich in dem Sachverständigen-Büro geklappt hatte. Ina Viebrok-Hörmann beobachtete: „Gerade weil Galina Preisel nicht so lange arbeiten konnte wie herkömmliche Auszubildende, kniete sie sich intensiv in die Materie hinein.“ Zufriedene Mitarbeiter, bei denen die persönliche Lebenssituation und die Berufstätigkeit miteinander vereinbar gemacht würden, seien mehr wert als solche, die lediglich ihre Zeit absäßen. Das Fazit der Chefin: „Die Idee der Teilzeit-Ausbildung kann ich nur weiterempfehlen. Sie ist genial.“

 

Begrenztes Kontingent für Umschulungen

Teilzeit-Ausbildung: Bei der Teilzeit-Ausbildung gibt es zwei Varianten: Bei der ersten beträgt die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts mindestens 25 Wochenstunden oder 75 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit; die Gesamtausbildungsdauer verlängert sich üblicherweise nicht. In der zweiten Variante wird die Ausbildungszeit um ein Jahr verlängert. Dabei beläuft sich die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts auf mindestens 20 Wochenstunden.

Die Auszubildenden müssen sich mit dem Ausbildungsbetrieb auf eine verringerte wöchentliche Arbeitszeit zwischen 20 und 30 Stunden einigen – und darauf, zu welchen Zeiten gearbeitet wird. Die Berufsschulzeit wird regulär in Vollzeit abgeleistet und die Ausbildungsvergütung entsprechend der vereinbarten Ausbildungszeit gekürzt.

Grundlage der Teilzeit-Ausbildung ist eine Änderung des § 8 des Berufsbildungsgesetzes. Danach lassen sich alle Berufe, die während einer beruflichen Ausbildung erlernt werden können, auch in Teilzeit absolvieren.

Teilzeit-Umschulung: Eine betriebliche Teilzeit-Umschulung dauert in den meisten Fällen zwischen 24 und 36 Monaten (je nach Dauer der Regelausbildungszeit im angestrebten Beruf und der Vorbildung). Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt – inklusive Berufsschule – 20 bis 24 Stunden. In der Regel wird die Umschulung von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter finanziell gefördert. Dabei steht jedoch nur ein begrenztes Bildungsgutschein-Kontingent bereit – im Gegensatz zu Teilzeit-Ausbildungen: Deren Anzahl ist nicht begrenzt, sondern liegt an der Aufgeschlossenheit der Unternehmen. Bevor eine Teilzeit-Umschulung aufgenommen werden kann, muss das Job-Center eine »Eignungsfeststellungsmaßnahme« vornehmen. Fällt die positiv aus, kann es losgehen. Während der gesamten Dauer der Umschulung werden die Umschülerinnen auf Wunsch von der Koordinierungs- und Beratungsstelle »Frau und Beruf« des Arbeitsförderungs-Zentrums (afz)/»Zukunft im Beruf« (ZiB) individuell begleitet.

»Runder Tisch« mit vielen Akteuren

Seit 2008 wird für die Teilzeit-Ausbildungen und Teilzeit-Umschulungen innerhalb der regionalen Wirtschaft massiv getrommelt, und zwar im Rahmen des Projektes »Initiierung und Begleitung betrieblicher Teilzeit-Umschulungen«. Auf Initiative der Beratungsstelle Frau und Beruf/ZiB und der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) wurde damals ein Runder Tisch geschaffen. An diesem nahmen und nehmen neben der ZGF und der Beratungsstelle Frau und Beruf regelmäßig die Agentur für Arbeit Bremerhaven und das Jobcenter Bremerhaven, die Kreishandwerkerschaft Bremerhaven und die Industrie- und Handelskammer Bremerhaven sowie das Projekt »Gute Arbeit für Alleinerziehende« des afz Platz. Gemeinsam wird stetig an einer noch besseren Vermarktung von Teilzeit-Ausbildungen und -Umschulungen gearbeitet.

Die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen: Innerhalb der vergangenen vier Jahre wurden 280 Frauen beraten. 84 von ihnen hatten ein konkretes Interesse an einer Teilzeit-Ausbildung oder Teilzeit-Umschulung. Und von diesen 84 Frauen starteten 45 tatsächlich in solche Beschäftigungsverhältnisse; das entspricht einer Quote von 54 Prozent. Die meisten Frauen, nämlich 41 Prozent, waren zwischen 20 und 25 Jahre alt, gefolgt von der Gruppe der 26- bis 30-jährigen (18 Prozent). 12 Prozent waren zwischen 36 und 40 Jahre alt. 60 Prozent der Frauen haben ein Kind, 15 Prozent zwei Kinder und 15 Prozent ziehen drei Kinder groß.

Auf den Großteil der Interessentinnen und Teilnehmerinnen an Teilzeit-Ausbildungen und Teilzeit-Umschulungen trifft zu: Sie sind, beziehungsweise waren, Empfängerinnen des Arbeitslosengeldes II/ »Hartz 4« (85 Prozent). Die meisten haben keine abgeschlossene Berufsausbildung (73 Prozent) und erreichten entweder einen Abschluss der Real­schule (65 Prozent) oder den der Hauptschule (neun Prozent).

In Sachen »Teilzeit-Umschulungen« zeigt sich Monica Kotte, Leiterin der Beratungsstelle Frau und Beruf/ZiB, zufrieden: „Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass eine Warteliste existiert.“

Hingegen müssen sich Teilzeit-Ausbildungen noch stärker etablieren. Die Industrie- und Handelskammer sieht noch viel Potenzial bei den Unternehmen. Doch die Zeit arbeitet für die beiden eher ungewöhnlichen Instrumente der Arbeitsmarkt-Politik, für Teilzeit-Ausbildungen und Teilzeit-Umschulungen. Schließlich haben Unternehmen immer größere Probleme, freie Ausbildungsplätze und andere offene Stellen zu besetzen. Der demografische Wandel mit Geburtenrückgängen und immer mehr älteren Menschen mit steigender Lebenserwartung wird mehr und mehr auch in Bremerhaven zur Realität.

Ansprechpartnerinnen

Arbeitsförderungs-Zentrum
Monica Kotte
Tel.: 0471-9 83 99-16
E-Mail: monica.kotte(at)afznet.de

Agentur für Arbeit Bremerhaven
Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
Sabine Viehweger
Tel.: 0471-94 49-848
E-Mail: sabine.viehweger@arbeitsagentur.de

Industrie- und Handelskammer Bremerhaven
Petra Homann-Zaller
Tel.: 0471-9 24 60 51
E-Mail: homann-zaller(at)bremerhaven.ihk.de

Veranstaltungskalender

28.10.2001 - 28.10.2019, ganztägig
24.03.2018 - 19.01.2038, ganztägig
19.04.2019 - 11.06.2026, ganztägig
23.09.2019 - 22.11.2019, ganztägig
24.09.2019 - 23.11.2019, ganztägig
24.09.2019, 10:00 Uhr
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