Zurück in die Arbeitswelt

(Foto: Bikeriderlondon - shutterstock.com)

Der Wiedereinstieg von Frauen in das Berufsleben kennt viele Facetten In Bremerhaven können sich die Rückkehrer/-Innen vielfältiger Hilfe sicher sein

Wenn eine Frau vor allem nach der Geburt eines Kindes oder aufgrund pflegerischer Aufgaben in der Familie für mehrere Jahre aus dem Beruf aussteigt und später wieder zurück in die Erwerbstätigkeit strebt, ist für sie der Zug längst nicht abgefahren. Gelingt einer Frau um die 40 Jahre der Wiedereinstieg, hat sie bis zur Rente immerhin noch rund 25 Erwerbsjahre vor sich. Für den Sprung zurück in das Arbeitsleben brauchen Frauen oft die Begleitung und Unterstützung durch Fachleute. Erfreulich ist, dass an entsprechenden Hilfsangeboten im Raum Bremerhaven kein Mangel besteht. Übrigens: Auch Männer dürfen sich angesprochen fühlen. Doch die meisten Wiedereinsteiger sind Frauen.

In der Seestadt wird viel Unterstützung und Hilfestellung unter dem Dach des Land-Bremen-weiten Projektes »Gesucht! Gefunden!« unternommen. Sein Hintergrund: Im März 2008 hatte das Bundesfamilienministerium den Startschuss für das Aktionsprogramm »Perspektive Wiedereinstieg« gegeben. Seitdem wurde in enger Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit ein Netzwerk aus Ländern, Kommunen, Verbänden, Vereinen und Initiativen geknüpft.

Das Programm zielt in erster Linie auf Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung oder erfolgreich beendetem Studium ab, die wegen der Übernahme von Familienarbeit, sprich: Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, seit mehr als drei Jahren aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind; im Falle der Pflege von Angehörigen sind sechs Monate und ein Tag der Maßstab. (Männer, auf die diese Voraussetzungen zutreffen, werden ebenfalls unterstützt.)

 

Erfolgreiches Projekt
»Gesucht! Gefunden!«

Zum Programm »Perspektive Wiedereinstieg« gehört auch das Projekt »Gesucht! Gefunden!« im Bundesland Bremen. Finanziert wird es aus Mitteln der Europäischen Union und des Europäischen Sozialfonds. Projekt-Partnerin ist die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). Während die Gesamtkoordination bei dem Senator für Arbeit, Wirtschaft und Häfen in Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer liegt, ist in Bremerhaven Annette Tahden vom Arbeitsförderungs-Zentrum (afz) die Ansprechpartnerin.

Am Wiedereinstieg Interessierte können sich an das afz wenden und werden dort ebenso individuell wie intensiv, vertraulich und kostenfrei betreut: Abgestimmt auf die jeweilige persönliche Situation, werden dann zum Beispiel Bewerbungsunterlagen optimiert oder erste Kontakte zu möglichen neuen Arbeitgebern geknüpft.

Diese Betreuung war in der ersten Förderperiode so stark von Erfolg gekrönt, dass eine zweite Förderperiode bewilligt wurde; diese läuft bis zum 31. Dezember 2013. Bis zum Ende des kommenden Jahres sollen 315 Frauen im Bundesland Bremen in Qualifizierung oder Arbeit vermittelt werden. In der ersten Förderperiode, von Juni 2009 bis Ende Dezember 2011, hatten 415 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Programm »Gesucht! Gefunden!« im Land Bremen genutzt. Darunter waren drei Männer. 104 der Teilnehmerinnen stammten aus Bremerhaven. Von den 415 Personen konnten 147 vermittelt werden: 91 gelangten in Beschäftigung; 41 entschieden sich für Weiterbildungsmaßnahmen und 15 machten sich selbstständig. 63 der Beschäftigungsverhältnisse hatten den Status von Teilzeit; 9 waren Vollzeitstellen und 19 wurden als »geringfügige Arbeit« eingestuft.
Darüber hinaus wurden und werden unter dem Dach von »Gesucht! Gefunden!« Veranstaltungen organisiert. So stellen sowohl Sabine Viehweger, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur in Bremerhaven, als auch ihre Kolleginnen in der Stadt Bremen neben der individuellen Beratung ihrer Klientinnen Veranstaltungsreihen auf die Beine. Bei denen werden unter dem Motto »Erfolgreich Wiedereinsteigen« Tipps und Anregungen aus und für die Praxis vermittelt. Die nächsten einschlägigen Veranstaltungen der Bremerhavener Arbeitsagentur sind vier kostenlose Workshops zu zwei Themen. Zielgruppe sind Frauen, die den Wiedereinstieg nach der Familienphase suchen und möglichst eine abgeschlossene Berufsausbildung haben.

Am 22. und 23. November wird jeweils von 9.00 bis 12.15 Uhr das Thema »Neue Wege – gewusst wohin!… Der Weg ist das Ziel« behandelt. Dabei kommen Fragen auf den Tisch wie: Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was sind meine persönlichen Ziele? Wo liegen meine Stärken und Neigungen?

Am 13. und 14. Dezember von 9.00 bis 12.15 Uhr soll an diese Workshops angeknüpft werden. Unter der Überschrift »Souverän und selbstbewusst zum neuen Job« wird unter anderem über das Entwickeln einer Selbstvermarktungsstrategie, den Aufbau der Marke »Ich« und eine nachhaltige Körpersprache geredet.

Qualifizierung »Busfahrerin«

Das Thema »Beruflicher Wiedereinstieg« wird ebenfalls stark von Tanja Hesse-Bloch beackert, der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters Bremerhaven. Eines ihrer aktuellen Lieblingsprojekte unter der Regie des Jobcenters trägt das Kürzel »FIFA«, und das steht in diesem Fall für »Frauen in Fahrt in Bremerhaven«. Dieses Projekt wurde im Juni 2012 begonnen und dient der Qualifizierung für den Personennahverkehr; die Frauen werden zu Busfahrerinnen ausgebildet. Tanja Hesse-Bloch erzählt: „15 allein erziehende Frauen und potenzielle Berufsrückkehrerinnen traten voller Selbstbewusstsein zu Beginn der Maßnahme im Sommer an. Die Fortbildung selbst dauert achteinhalb Monate. Sie umfasst neben der beschleunigten Grundqualifizierung das Erlangen des Führerscheins Klasse D und natürlich die praktischen Arbeitseinheiten.“

Udo Bartau, Bereichsleiter Markt und Integration des Jobcenters, ergänzt: „Im Anschluss werden den Teilnehmerinnen dauerhafte Arbeitsplätze in Teilzeit angeboten. Perspektivisch können Vollzeit-Jobs daraus werden.“ Beim Gewinnen der geeigneten Teilnehmerinnen war auch der Sachverstand der so genannten »Expertinnen für Alleinerziehende« (EFA) gefragt, die in jedes der Vermittlungsteams im Jobcenter integriert sind.

Zündende Argumente

Damit Frauen nach längerer Zeit wieder in den Beruf einsteigen können, müssen natürlich auch die Unternehmen mitspielen. Da dürfte es hilfreich sein, dass Unternehmen, die Wiedereinsteigerinnen eine Chance geben, unter bestimmten Umständen finanziell gefördert werden. Maximal 5.000 Euro sind »drin«. Dabei ist entscheidend, welcher Aufwand für das Einarbeiten oder Qualifizieren der Mitarbeiterin tatsächlich erforderlich war.

Ein anderes überzeugendes Argument an die Adresse von Firmenchefs: Durch lange Abwesenheiten von Mitarbeiterinnen nehmen die Kostenrisiken für das Unternehmen beträchtlich zu. Das wurde bereits 2003 durch eine Studie der Prognos AG ermittelt. Kernergebnisse: Je länger die Elternzeit dauert, desto höher sind die Wiedereingliederungskosten. Je nach Einkommensklasse und Dauer der Abwesenheit können dem Unternehmen (gerechnet auf 6 bis 36 Monate) Kosten zwischen 2.000 und 12.000 Euro je Mitarbeiter entstehen (für Qualifizierung, Einarbeitung und Minderleistung). Wenn die Beschäftigten nach der Elternzeit nicht an den Arbeitsplatz zurückkehren, muss das Unternehmen nicht nur einen Qualifikationsverlust verdauen, sondern auch die Kosten für das Einstellen von Ersatzpersonal und dessen Qualifizierung tragen. Laut Prognos können diese zwischen 9.500 und 43.000 Euro betragen. Wie erwähnt: Diese Zahlen sind neun Jahre alt und werden heutzutage sehr wahrscheinlich noch deutlich höher anzusetzen sein.

www.gesuchtgefunden-bremen.de

Die Homepage »Perspektive Wiedereinstieg« gibt umfangreiche und passgenaue Informationen für potenzielle Wiedereinsteigerinnen. Eine Landkarte weist den Weg zu Beratungsstellen in ganz Deutschland. Der Veranstaltungskalender listet interessante regionale Angebote auf. Und der Wiedereinstiegsrechner ermöglicht es, dass online der persönliche wirtschaftliche Vorteil eines beruflichen Wiedereinstiegs nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung durchkalkuliert werden kann.
www.perspektive-wiedereinstieg.de

Arbeitsförderungs-Zentrum
Annette Tahden
Tel.: 0471-95 89 77-11
E-Mail: annette.tahden(at)afznet.de

Jobcenter Bremerhaven
Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
Tanja Hesse-Bloch,
Tel.: 0471-94 49-661
E-Mail: Jobcenter-Bremerhaven.BCA@jobcenter-ge.de

Agentur für Arbeit Bremerhaven

Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt
Sabine Viehweger
Tel.: 0471-94 49-848
E-Mail: sabine.viehweger(at)arbeitsagentur.de

Veranstaltungskalender

24.03.2018 - 19.01.2038, ganztägig
04.08.2018 - 04.06.2019, ganztägig
19.04.2019 - 11.06.2026, ganztägig
26.05.2019, 11:00 Uhr
27.05.2019 - 26.07.2019, ganztägig
28.05.2019 - 27.07.2019, ganztägig
29.05.2019 - 28.07.2019, ganztägig
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