Die Game-Wächter – Was macht die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK?

Wir sprechen mit Marek Brunner. Er ist Diplom-Medieninformatiker, Jahrgang 1975 und wurde 1994 der erste Spieletester der USK. 2003 übernahm er die Leitung des gesamten Testbereichs. Zu seinen Aufgaben gehören die Koordination des Bereichs, die technische Vorbereitung der Spiele, die Einarbeitung und Auswahl der Sichter und die Qualitätssicherung der Spielpräsentationen.

Die Game-Wächter(Vitaly Galdaev shutterstock.com (Controller-Grafik),  Pranch shutterstock.com (Conputermaus-Grafik), Agenur Jeschke (Schutzschild-Grafik))

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Was ist die USK und was ist ihre Aufgabe?
„Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ist eine freiwillige Einrichtung der Computerspieleindustrie. Sie testet und bewertet Videospiele und Apps. Die Freigabe ist gesetzlich bindend. Das heißt, dass es ohne ein Rating keine Veröffentlichung gibt. Eltern dürfen allerdings selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder Spiele spielen lassen, für die sie laut der USK-Freigabe noch nicht alt genug sind. Die USK ist aber, im Gegensatz zum Glauben vieler, nicht für die Zensur beziehungsweise Indizierung von Spielen verantwortlich. Das ist die Aufgabe der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Der Unterschied zwischen beiden Instanzen ist, dass die USK die Spiele vor Veröffentlichung bewertet und die BPjM ihre Prüfung erst danach vornimmt. Wenn ein Spiel aber bereits ein USK-Siegel erhalten hat, kann es nicht mehr indiziert werden.

Verkäufer müssen sich an die rechtlich bindende Freigabe halten und machen sich strafbar, wenn sie Unterhaltungsmedien an Personen verkaufen, deren Alter unter der Freigabe liegt. Falls ein Verkäufer ein Spiel an jemanden verkauft der unter der Altersgrenze liegt, droht eine Strafe von bis zu 50.000 €.”

Wer nimmt so eine Bewertung vor und wie läuft sie ab?
„Pro Jahr werden ungefähr 1.500 Produkte von 400 Firmen getestet und bewertet. Darunter sind auch andere Produktionen wie Trailer, Zeitschriften und Demos. Die Sichter und Sichterinnen spielen dann die Spiele und müssen sie anschließend einem Gremium vorstellen, das dann über das Rating entscheidet. Die Sichter und Sichterinnen sind zwischen 20 und 28 Jahren. Das Alter ist entscheidend, da sie die Brücke zwischen Jung und Alt schlagen müssen und nicht allzu entfernt von der Lebenswelt von Jugendlichen und Kindern sein sollen. In dem Sichtungsbereich arbeiten sie vier bis fünf Jahre, danach werden sie meist in anderen Abteilungen der USK weiterbeschäftigt. Die Dauer der Sichtungen der Spiele reicht meist von einer halben bis zu 100 Stunden, je nach Umfang des Spiels. Die Zeit können sie sich, je nach Möglichkeit, frei einteilen. Die Spiele müssen komplett durchgespielt werden, um einen ganzheitlichen Eindruck zu gewinnen. Mit sogenannten Debug-Menüs können die Sichter langwierige Passagen überspringen oder später zur Prüfsitzung Punkte gezielt anspielen. In Spielen mit viel Entscheidungsfreiheit für die Spielfigur wird meist das »böse Extrem« gespielt, um schwerwiegende moralische Entscheidungen und deren Konsequenzen sichtbar zu machen.

Nach der Testphase stellen die Sichte und Sichterinnen die Spiele in ihrer ganzen Vielfalt einem Gremium vor. Das Gremium besteht aus Jugendschutzsachverständigen, Vertretern des Familienministeriums und Gutachtern. Die Sitzungen der Prüfgremien dauern von circa 30 Minuten bis zu drei Stunden. Zusätzlich wird ein Sichtungsdiagramm erstellt, das in Form eines Tortendiagramms die Anteile der Spielinhalte gewichtet und prozentual darstellt. Am Ende diskutieren die Teilnehmer des Gremiums die relevanten Spielinhalte und bewerten diese. Die Sichter und Sichterinnen nehmen nicht an der Bewertung teil, können aber in die Diskussion eingreifen.”

Wie wird bewertet? Was sind die Kriterien?

„Die verschieden Kriterien bedingen die Altersempfehlungen. Dabei lassen sich die Kriterien in zwei große Kategorien einteilen. Zum einen gibt es den Spielinhalt, zum anderen die Reaktionen, die beim Spielenden ausgelöst werden. Gewaltdarstellungen, Sex, Drogenkonsum, Horror oder derbe Sprache fallen dabei in die erste Kategorie. Reaktionen auf Spieleinhalte wie Stress, der auf Spieler durch aggressive Sounds, Countdowns und emotionalen Druck ausgeübt wird, sind Teil der zweiten Kategorie. Letztendlich ist die Grundlage für die Bewertung das Jugendschutzgesetz, wobei speziell §14 JuSchG die einzelnen Abstufungen regelt. Es gibt fünf Gruppen: Ab 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren. Bei diesen Altersabstufungen erhalten einzelne Aspekte der Spiele besondere Aufmerksamkeit. Bei Kindern wird eher auf möglichen Reaktionen, ausgelöst durch Stress, Wert gelegt. Bei Jugendlichen stehen jugendgefährdende Spielinhalte im Vordergrund.

Aber es besteht Reformbedarf. Die Altersgrenzen sind noch viel zu weit aufgefächert. Schon innerhalb einer Altersgruppe sind die Unterschiede zu groß. Nicht alle 6-Jährigen sind von Reife und Entwicklung her auf dem gleichen Stand. Auch zwischen den Altersgruppen sind die Abstände zu groß. Zwischen sechs und zwölf Jahre beispielsweise machen die Kinder große Schritte in der Entwicklung, die in dem bisherigen Bewertungssystem nicht berücksichtigt werden.”

Gibt es noch andere Alterseinstufungssysteme?
„Es gibt viele verschiedene internationale Prüfstellen und Bewertungssysteme. Zum Beispiel das amerikanische Entertainment Software Rating Board (ESRB) oder die Pan European Game Information (PEGI). ESRB und PEGI sind allerdings im Gegensatz zur USK nicht rechtsverbindlich für die Verkäufer. Interessant ist allerdings bei PEGI, dass hier Inhalte wie Gewalt, Sex, derbe Sprache oder auch Horror-Elemente explizit mit einem Siegel ausgewiesen werden. ”

Gibt es kulturelle Unterschiede bei der Bewertung der Spiele?

„Je nach Land werden die Spielinhalte von den Prüfstellen anders beurteilt. Jeder Kulturkreis hält einzelne Aspekte der Spiele für gefährlich oder unbedenklich. Beispielsweise wird Nacktheit oder Sex in europäischen Ländern nicht so kritisch bewertet wie in Amerika. In Europa werden aktuell vermehrt Debatten um klassische Geschlechterrollen in Spielen geführt, was in anderen Ländern wiederum keine Relevanz hat. Diese verschiedensten kulturellen Sensibilitäten fast das neue internationale Alterseinstufungssystem IARC zusammen.”

Was ist IARC?
„Die International Age Rating Coalition (IARC) bietet ein einheitliches System, das Entwicklern von Videospielen und Apps ermöglicht, ihre Kreationen je nach Erscheinungsland-spezifischen Kriterien bewerten zu lassen. Somit ist die Veröffentlichung der Software für den Hersteller vereinfacht und Kunden können sich weiterhin auf die ihnen bekannten und zuverlässigen Quellen verlassen. Vor der Veröffentlichung muss ein Fragebogen ausgefüllt werden, der verschiedene kulturelle Normen in der Bewertung der Spiele berücksichtigt.”

Zusatzinfo: FSK

Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) ist, wie der Name andeutet, für Filme zuständig. Der Zusatz „freiwillig“ bezieht sich auf Filmschaffende, die ihre Filme freiwillig zur Kontrolle einreichen. Filme, die nicht durch die FSK eingestuft wurden, dürfen nur an Erwachsene verkauft werden. Die Einstufungen fußen, wie auch bei der USK, auf dem Jugendschutzgesetz.

Elternratgeber zum kostenlosen Download:


http://www.usk.de/fileadmin/documents/ USK-Elternratgeber.pdf

Veranstaltungskalender

24.03.2018 - 19.01.2038, ganztägig
04.08.2018 - 04.06.2019, ganztägig
19.04.2019 - 11.06.2026, ganztägig
26.05.2019, 11:00 Uhr
27.05.2019 - 26.07.2019, ganztägig
28.05.2019 - 27.07.2019, ganztägig
29.05.2019 - 28.07.2019, ganztägig
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