Kaugummis - teuer und tödlich

Nein, nein – wir wollen hier nicht über die Preispolitik der Kaugummihersteller berichten und auch das »Runterschlucken« von Kaugummis ist wirklich kein Thema. Entgegen der immer wieder aufkommenden Unkenrufe verkleben Kaugummis nämlich nicht den Darm und es ist so gesehen nicht gefährlich, einen Kaugummi zu verschlucken.

Kaugummis - teuer und tödlich (Bilder: Guy Erwood shutterstock.com (Stadtreinigung), Ziga Cetrtic shutterstock.com (Kaugummi-Asphalt))

Kaugummis - teuer und tödlich (Bilder: Guy Erwood shutterstock.com (Stadtreinigung), Ziga Cetrtic shutterstock.com (Kaugummi-Asphalt))

Auch auf die gesundheitlich recht umstrittenen Aspekte der Inhaltsstoffe dieser kleinen Chemiecocktails, die zuckerfrei bis zuckerbombig in Kombination mit diversen Aromen, kunterbunten Farbstoffen, Emulgatoren und Feuchthaltemitteln daherkommen, wollen wir an dieser Stelle nicht hinweisen. Es geht vielmehr darum, was passiert, wenn der Drops gelutscht beziehungsweise das Kaugummi gekaut ist und anschließend – wie es sicher schon jeder mal getan hat – einfach irgendwohin geklebt, gespuckt oder geworfen wird – nur nicht in den Müll, in den es ja eigentlich gehört.

Jetzt könnte man denken, dass die dadurch entstehenden Flecken, die allen Gehwege, Straßen und Plätze zieren, nur ein kosmetisches Problem seien. Und man könnte weiter denken, dass darum die Reinigung der Flächen, die exorbitant hohe Kosten verursacht, eigentlich unnötig sei und nur in den Augen überambitionierter Sauberkeitsfanatiker und geldgieriger Reinigungsunternehmer sinnvoll erscheine.

Doch das Problem liegt vielmehr darin begründet, dass die Kaumasse (Gum Base), der Hauptbestandteil der Kaugummis kaum noch aus natürlichem Kautschuk hergestellt wird, der biologisch abbaubar und umweltverträglich wäre, sondern aus einem künstlich hergestellten Kautschuk, der aus Erdöl gewonnen wird. Also aus Kunststoff, oder besser gesagt aus Plastik – und alles andere als biologisch abbaubar. Auch Reifen für Autos, Motorräder und Fahrräder werden aus diesem Kautschuk hergestellt und er findet als Dichtungsmasse im Bauwesen und als Kleber für Wundpflaster Verwendung – doch diese appetitanregenden Details nur am Rande.

Denn jetzt kommt der Knackpunkt: Es werden ständig kleinste Plastik-Partikel der Kaumasse durch Regen und Abrieb gelöst, die dann als Mikro-Plastik in unsere Gewässer geschwemmt werden. Dort verseucht und anderer Wassertiere und gelangt somit in die Nahrungskette. Das bedeutet, dass sich das kleine, unscheinbare, weggeworfene Kaugummi nahtlos einreiht in die lange, rote Liste der Dinge, die unsere Umwelt mit Mikroplastik verseuchen: den Abrieb von Autoreifen, den ausgewaschenen Plastikpartikeln von Funktionskleidung und die mit Plastikkugeln versetzten Kosmetikartikel, um nur ein paar der größten Mikroplastik- Sünder zu nennen. Dazu kommen auch unmittelbar tödliche Folgen – beispielsweise für Vögel und Igel, die einen ausgespuckten Kaugummi fressen und daran qualvoll ersticken können. Die langfristigen Folgen dieser weltweit massiven Verseuchung mit Mikroplastik und der darin enthaltenen Giftstoffe für den menschlichen Organismus sind noch nicht absehbar und das Thema »Abfallmanagement und Plastik« schreit nach Lösungen. Diverse Studien beschäftigen sich fieberhaft mit dem Thema, die G7 haben sich des Themas angenommen und im Rahmen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen wird ebenfalls nach Lösungen gesucht.

Im Falle des Kaugummis erscheint die Lösung aber ehrlich gesagt gar nicht so schwierig – einfach das ausgekaute Kaugummi zurück ins Papier wickeln und in den nächsten Mülleimer werfen – voilà – schon sparen wir Millionen an Steuergeldern in der Stadtreinigung und schonen gleichzeitig die Umwelt! Doch wenn ich so recht drüber nachdenke: Wenn sich schon Mikroplastik durch »Drüberlatschen« aus den Kaugummis löst, will ich mir lieber gar nicht vorstellen, wieviel Erdöl-Plastik das stundenlange »Durchkauen « in meinen Körper schwemmt – Lecker!

Den neuen Report der UNEP
(United Nations Environment Programme), der vor den Problemen von Mikroplastik für die Nahrungskette warnt, finden Sie unter:
www.meeresstiftung.de

Es sind noch Kaugummis aus natürlichem Kautschuk erhältlich, der aus dem Milchsaft von Bäumen gewonnen wird, die im Dschungel Mittelamerikas wachsen. Diese werden nur noch von sehr wenigen (Bio-) Kaugummihersteller angeboten, kosten allerdings auch um einiges mehr, als ihre umweltverschmutzenden Erdöl-Geschwister.

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