Tierische Freunde

Fast alle Kinder sind fasziniert von Tieren, fühlen sich zu Hunden, Katzen oder Meerschweinchen hingezogen. Deshalb betteln sie ihre Eltern häufig um ein eigenes Haustier an – und haben gute Gründe dafür: Das Aufwachsen mit Haustieren hat nachweislich einen positiven Einfluss auf eine gesunde Entwicklung des Kindes. Tiere machen Kinder selbstbewusster, stärken ihre sozialen Kompetenzen und helfen ihnen in Notsituationen. Sie schützen sogar vor Krankheiten.

Tierische Freunde

Tierische Freunde (Foto: Gladskikh Tatiana shutterstock.com)

Lange wurden in der Forschung soziale Beziehungen mit zwischenmenschlichen Beziehungen gleichgesetzt. Tenor: Soziale Kontakte können nur »von Mensch zu Mensch« geknüpft werden. Mittlerweile ist man deutlich von dieser These abgerückt und hat die wissenschaftlichen Untersuchungen um die Beziehung zwischen Menschen und Tieren erweitert. Im letzten Jahr erschien dazu eine bemerkenswerte Studie im International Journal of Environmental Research and Public Health. Hauptforscherin Rebecca Purewal hat zusammen mit einem Team der University of Liverpool alle US-amerikanischen und englischen Studien analysiert, die seit 1960 zum Einfluss von Tieren auf die emotionale, soziale und kognitive Kindesentwicklung erschienen sind.

Über 3.000 Studien haben die Forscher ausgewertet, nur 22 davon erfüllten die aufgestellten Qualitätskriterien. Und diese 22 Studien lieferten interessante Ergebnisse. Wie die Wissenschaftler zusammenfassten, zeigt sich ein deutlich positiver Einfluss von Haustieren auf eine gesunde Entwicklung des Kindes. Am stärksten sei der Effekt bei Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren bemerkbar, bei denen sich das Zusammenleben mit einem Tier entschieden auf das Selbstwertgewühl auswirke.

Die größte Unterstützung leisten demnach Hunde und Katzen. „Möglicherweise lässt sich das auf die größere Interaktion und Wechselwirkungen im Vergleich zu anderen Tieren zurückführen“, erklärte Rebecca Purewal in einer Pressemitteilung. Haustiere können eine psychologische Unterstützung bieten, die heranwachsenden Menschen ein gesundes Selbstwertgefühl gibt.

Die Steigerung der sozialen Kompetenzen hängt damit zusammen, dass Kinder lernen, sich mit dem Tier zu arrangieren und Rücksicht zu nehmen. Denn es stellt sich schnell heraus, dass Tiere nicht nur zum Kuscheln da sind, sondern sie auch andere Bedürfnisse haben, um die man sich als Mensch kümmern muss: Füttern, Gassi gehen, Tierarztbesuche und alles, was dazugehört. Das stärkt zudem das Verantwortungsbewusstsein und hilft Kindern beim Erwachsenwerden. Im Gegenzug geben Tiere Kindern bedingungslose Zuneigung, ohne sie zu verurteilen. Das hat zur Folge, dass das Kind sich als wertvolles Individuum begreift und in seiner Persönlichkeit und seinem Auftreten sicherer wird.

Helfer in Notsituationen

Neben dem generellen positiven Einfluss auf Kinder können Haustiere auch in besonderen Situationen wertvolle Helfer für Kinder sein. So hat sich herausgestellt, dass Hunde für Heimkinder, die von ihren Eltern seelisch oder körperlich misshandelt wurden, eine wichtige Stütze sind. Vor allem in Stresssituationen hat das Beisein der Vierbeiner ihnen nachweislich geholfen, Ruhe zu bewahren und die Situationen zu bewältigen.

In ganz Deutschland wird bereits die tiergestützte Pädagogik als Therapiemethode für misshandelte Kinder eingesetzt. Aus Kindesmisshandlungen resultieren in psychologischer Hinsicht häufig ein schwaches Selbstvertrauen, eine geringe Frustrationstoleranz und Bindungsstörungen. Therapien mit Tieren geben den Kindern wieder Kraft. Auf sogenannten Begegnungshöfen treten sie in Beziehung zu Pferden, Schafen, Ziegen, Alpakas oder Hunden und bauen eine Bindung zu ihnen auf. Während Menschen ihnen bereits Leiden zugefügt haben und sie deshalb beängstigen, können sie zu Tieren völlig unvoreingenommen Vertrauen aufbauen.

Zudem hat es sich erwiesen, dass Hunde auch bei Sprachtherapien einen positiven Effekt auf den Erfolg haben. Bei Kindern zwischen drei und zwölf Jahren steigern Therapiehunde die Motivation, was dazu führt, dass ihre logopädischen Störungen besser therapiert werden können. Kinder sind in der Gegenwart von Hunden offener und trauen sich eher, non-verbal und verbal zu kommunizieren, weil die Anwesenheit des Vierbeiners ihnen emotionale Sicherheit und Geborgenheit gibt.

Haustiere schützen vor Krankheiten

Fellige Haustiere sind nicht nur gut für die psychologische Entwicklung, sondern auch für die Gesundheit. Das fand ein Forscherteam vom Helmholtz Zentrum München in einer Studie mit über 10.000 Kindern heraus. Wenn Kinder von Geburt an mit einem Haustier aufwachsen, wird dadurch das Risiko einer Allergieoder Asthma-Erkrankung um 50 Prozent gesenkt.

Vermutet wird, dass das Ganze mit der mikrobiologischen Besiedlung des Verdauungstraktes zusammenhängt, die im Säuglingsalter die Entwicklung der Darmflora beeinflusst. Die Darmflora ist für die zukünftige Gesundheit extrem wichtig. Kanadische Forscher fanden heraus, dass das Aufwachsen mit einem Haustier die Vielfalt der Darmbakterien bei Kindern signifikant erhöht. Diejenigen Bakterien, die in besonders hoher Zahl nachgewiesen wurden, schützen übrigens nicht nur vor Allergien und Asthma, sondern auch vor Fettleibigkeit.

Bei allen positiven Auswirkungen von Haustieren auf Kinder sollte eines nicht vergessen werden: Das Tierwohl darf niemals missachtet werden. Haustiere sind nicht bloß Entwicklungsförderer und Therapeuten auf vier Pfoten, sondern Lebewesen. Sie benötigen ein großes Maß an Liebe, Zuwendung und gemeinsamer Zeit. Mindestens genauso viel davon geben sie ihrer Familie zurück.


Entdecke die Haustiere – Die kleine Tierfibel

Die Entscheidung für ein Haustier will gut überlegt sein. Denn ein Tier kommt mit einem großen Paket Verantwortung ins Haus. Es kostet Zeit und Geld. Und wir müssen uns die Frage stellen, ob wir die Bedürfnisse unseres Tieres zuverlässig erfüllen können – auch dann, wenn etwa die nächste Urlaubsreise ansteht oder der Terminplan durch die Schule und Verabredungen zu voll wird.

Diese und andere Fibeln können kostenlos auf der Homepage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (www.bmel.de – Suche »Fibel«) heruntergeladen werden.

Veranstaltungskalender

24.03.2018 - 19.01.2038, ganztägig
04.08.2018 - 04.06.2019, ganztägig
22.11.2018, 10:00 Uhr
22.11.2018, 15:00 Uhr
23.11.2018, 16:00 Uhr
24.11.2018, 13:00 Uhr
24.11.2018, 14:00 Uhr
24.11.2018, 14:30 Uhr
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