Bühne frei – Junges Theater in Bremerhaven

Wir sprechen mit Katharina Dürr, Theaterpädagogin am Stadttheater Bremerhaven. Seit der Spielzeit 2015/2016 arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen im JUB! – das Junge Theater Bremerhaven. Dabei entwickelt sie gemeinsam mit ihnen eigene Stücke und vermittelt ihnen Schauspiel. Im Interview gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit und das vielfältige theaterpädagogische Angebot des Stadttheaters.

Junges Theater Bremerhaven (Manja Herrmann (JUB! Junges Theater Bremerhaven))

Junges Theater Bremerhaven (Manja Herrmann (JUB! Junges Theater Bremerhaven))

Was ist das "JUB!"?

Das Junge Theater Bremerhaven bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit der kulturellen Bildung. Mit vier Premieren pro Spielzeit knüpft es thematisch, mit altersspezifischen Produktionen, an die jeweilige Lebenswelt des jungen Publikums an. In diesen Produktionen spielt das Schauspielensemble des JUB!, ergänzt durch das Ensemble des Abendspielplans am Stadttheater Bremerhaven, vorwiegend vormittags für Kitas und Schulen aus Bremerhaven und dem Umland. Dafür hat das JUB! am Elbinger Platz eine eigene Bühne. Ergänzend dazu vermitteln wir Kindern und Jugendlichen mit einem vielfältigen theaterpädagogischen Angebot alles rund um das Theater. In Workshops und Theaterlaboren können sie selbst in andere Rollen schlüpfen und Schauspielmethoden erlernen. Besonders spannend ist auch die Kooperation mit Schulen in und um Bremerhaven. Wir beschäftigen uns aber nicht ausschließlich mit Theater, auch Musik und Tanz haben bei uns ihren Platz.

Können Sie noch genauer auf die Angebote des JUB! eingehen?


Begleitend zu den professionellen Produktionen im JUB! gibt es vielfältige theaterpädagogische Angebote wie zum Beispiel Theaterführungen, um einen Blick hinter die Kulissen des Theaterbetriebs zu gewähren. Workshops zu den Produktionen, Ferienprogramme oder Nachgespräche gehören ebenso zum theaterpädagogischen Programm. Ein weiteres Angebot ist die »Kulturbar – Kunst gegen Bares«. Sie bietet jungen Leuten aus Bremerhaven und umzu, die Möglichkeit ihr Können vor Publikum unter Beweis zu stellen. Von Poetry Slammern über Musiker bis zu Comedians sind viele verschiedene Genres vertreten und das Publikum kürt zum Schluss einen Sieger. Dann gibt es noch die Schulkooperationen, bei denen wir mittlerweile mit circa 30 Schulen aus Bremerhaven und Niedersachsen zusammenarbeiten. In den sogenannten Theaterlaboren haben Teilnehmer jeden Alters die Möglichkeit, das Theaterspielen praktisch zu erproben.

Wie sieht eine Kooperation mit einer Schule genau aus?

Durch Theaterbesuche und Nachbereitungen können Lehrer und Lehrerinnen bestimmte Inhalte der Stücke thematisieren oder einzelne Aspekte einer Theaterproduktion aufgreifen. Dafür stellen wir natürlich Material zur Verfügung und geben Hilfestellungen. Zusätzlich haben die Lehrer und Lehrerinnen die Möglichkeit bei der zweiten Hauptprobe jedes Stücks, der sogenannten Lehrersicht, dabei zu sein und sich im Nachhinein mit den Theaterpädagoginnen auszutauschen, um daraus gegebenenfalls Inhalte für den Unterricht zu konzipieren. Da es den Schulen momentan an Lehrkräften mangelt, ergänzen wir auch den Unterricht mit unseren Programmen. Derzeit sind zwei zusätzliche Theaterpädagoginnen des JUB! an sechs der Partnerschulen eingesetzt, um dort ein festes Theaterangebot vor Ort anzubieten. Dieses Pilotprojekt findet in Kooperation mit dem Schulamt Bremerhaven statt. Besonders interessant ist die Möglichkeit, den Stoff des Unterrichts mit dem Theater zu verbinden. Ein schönes Beispiel sind da Schallexperimente, die im Theatersaal durchgeführt wurden. Hier konnten die Kinder lernen wie der Schall sich ausbreitet und woran er bricht. Bei einer weiteren Kooperation mit der Edith-Stein-Schule aus Bremerhaven haben die Schüler für den Deutschunterricht Schauspieler interviewt und Referate vorbereitet, die sie dann auf der Bühne im JUB! vor Publikum präsentieren konnten. Zusätzlich gibt es die Expertenklassen. Hier begleiten Schüler eine Produktion intensiv und erleben in Probenbesuchen die Entstehung einer Inszenierung. Begleitend dazu können in der Klasse kreative Projekte zu den Figuren, Themen, Kostümen oder dem Bühnenbild der Inszenierung entstehen.

Was kann man sich unter dem Theaterlabor vorstellen?


Die Theaterlabore sind Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Sie starten immer zur Saison. Es gibt mittlerweile fünf Gruppen in verschiedenen Altersstufen. Wir bieten Gruppen für 6- bis 10- Jährige, 11- bis 13- Jährige, 14- bis 18- Jährige und eine ab 18 Jahren an. Man trifft sich wöchentlich eineinhalb bis zwei Stunden, konzipiert gegebenenfalls ein Stück und übt das Schauspiel ein. Auf spielerische Art und Weise werden den Teilnehmern so die nötigen Fähigkeiten und Inhalte vermittelt.

Jeder Pädagoge hat bei der Arbeit mit den Kindern andere Herangehensweisen und setzt andere Schwerpunkte. Manche konzentrieren sich auf das Schauspiel und wählen ein bereits vorhandenes Stück aus, das die Teilnehmer dann einüben. Andere entwickeln gemeinsam mit der Gruppe ein neues Stück, um einen Einblick in die vielen verschiedenen Dinge zu geben, die bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Woran arbeiten Sie gerade und wie sieht Ihre Herangehensweise aus?


Zurzeit entwickle ich mit den Kindern, im Alter von 6 bis 10 Jahren, im Theaterlabor ein Stück mit dem Titel „Märchen außer Rand und Band“. Zwei Freundinnen haben ein Märchenbuch, aus dem plötzlich die Märchenfiguren herausfallen und sich in der Realität wiederfinden. Nun müssen sich die Märchenfiguren in der realen Welt zurechtfinden und Alltagssituationen meistern. So entstehen komische Situationen, wie ein Friseurbesuch von Rapunzel, die ihre Haare zur Abwechslung auch gern mal hochgesteckt tragen würde. Bei der Entwicklung des Stücks gebe ich den groben Rahmen vor und die Kinder erarbeiten sich selbst durch Improvisation mögliche Szenarien, aus denen dann potentielle Szenen entstehen. Ich steuere das Ganze aus dem Hintergrund und gebe ihnen Hilfestellungen. Es ist mir wichtig, dass die Kinder beim gesamten kreativen Prozess, bei der Entstehung eines Stücks, dabei sind und somit das Schauspiel und wie auch die Inszenierung gleichermaßen kennenlernen können.

Ich arbeite aber auch sehr gerne mit einer bestehenden Stückvorlage, wie dies z.B. in der letzten Jugendtheaterproduktionen „Concord Floral“ von Jordan Tannahill mit jugendlichen Darstellern geschehen ist. In Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Max Roenneberg wurden hierfür jugendliche Laienschauspieler gecastet. Hier lag der Fokus der Theaterarbeit besonders auf der Text-und Rollenarbeit.

Was müssen die Kinder und Jugendlichen mitbringen, um an den Theaterlaboren teilzunehmen und welche Fähigkeiten erwerben sie?

Jeder kann bei den Theaterlaboren mitmachen. Dafür braucht es keine besonderen Voraussetzungen. Die Kinder lernen während der Labore, sich sprachlich präzise auszudrücken und steigern durch die Bühnenpräsenz ihr Selbstbewusstsein. Das Schauspiel fördert auch die Empathie, da sich die Kinder in andere hineinversetzen und mitfühlen müssen. Natürlich sind die Kinder am Ende stolz auf das, was sie erreicht haben.

Was gefällt Ihnen an der theaterpädagogischen Arbeit mit Kindern im Theaterlabor?


Kinder haben keine Scheu davor sich auszuprobieren und sind sehr kreativ und offen für fast alles. Das gemeinsame Erarbeiten eines Stückes macht mir persönlich besonders Spaß, da Kinder eine neue frische Perspektive auf die Produktion eines Theaterstücks mitbringen. Natürlich kann Theaterarbeit aber nicht nur aus Spielen bestehen, Textlernen und regelmäßige Anwesenheit ist ebenso gefragt. Wenn dann mal jemand eine Zeile vergisst, ist das nicht schlimm, denn die Kinder unterstützen sich immer untereinander und flüstern sich auch gern die richtigen Worte zu. Sie lernen, sich aufeinander zu verlassen und ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, auch das gefällt mir sehr. Manche der Kinder sind schon seit ein paar Jahren dabei, es ist schön zu sehen, wie sie sich entwickeln.

Weitere Infos gibt es im Internet unter:
www.stadttheaterbremerhaven.de/junges-theater/

Veranstaltungskalender

28.10.2001 - 28.10.2019, ganztägig
24.03.2018 - 19.01.2038, ganztägig
19.04.2019 - 11.06.2026, ganztägig
23.09.2019 - 22.11.2019, ganztägig
24.09.2019 - 23.11.2019, ganztägig
24.09.2019, 10:00 Uhr
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