Service & Gesundheit 13.02.2017

Diabetes bei Kindern – mit der richtigen Einstellung gut durch den Alltag


Diabetes bei Kindern

Diabetes bei Kindern (Foto: Evgeniy pavlovski shutterstock.com)

Kinder wollen rennen, toben, unbeschwert sein und Spaß haben. Hören Eltern die Diagnose »Diabetes«, fürchten viele zunächst, das müsse nun alles vorbei sein. Doch ist das Leben mit einem gut eingestellten Diabetes erst einmal gelernt, können Kinder heute wie ihre Altersgenossen einen weitgehend normalen Alltag haben. „Spezialisierte Medizin, Schulungsprogramme und Selbsthilfegruppen unterstützen Familien dabei, ihren ganz persönlichen Weg mit dieser chronischen Krankheit zu finden“, sagt Dr. Markus Köhl, Gesundheitswissenschaftler bei der AOK Bremen/Bremerhaven.

Häufigste Stoffwechselerkrankung

Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland. Mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben Diabetes Typ 1. Bis zum Jahr 2020 wird insbesondere eine Verdoppelung der Anzahl bei Kindern unter fünf Jahren vorhergesagt. Etwa 10.000 Kinder werden mit einer Insulinpumpe behandelt. Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen bei Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren verfünffacht. Das entspricht etwa 200 Neuerkrankungen jährlich. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um sehr stark übergewichtige Personen, bei denen bereits die Eltern und Großeltern an einem Typ-2-Diabetes leiden. Übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche sind stärker vom Typ-2-Diabetes betroffen.

Gut behandelbar, aber nicht heilbar
Diabetes mellitus Typ 1 kommt in jeder Altersstufe und bei allen Völkern vor, die Häufigkeit des Auftretens ist in verschiedenen Ländern jedoch sehr unterschiedlich. So gibt es zum Beispiel in skandinavischen Ländern wesentlich mehr Patienten mit Typ-1-Diabetes als in Südeuropa, Asiaten hingegen erkranken generell viel seltener daran. Der Zuckerkrankheit liegt eine Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zugrunde. Das bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren kann, das den ausgeklügelten Zuckerhaushalt im Körper regelt. Die Erkrankung ist gut behandelbar, aber nicht heilbar.

Man weiß heute, dass die sogenannten Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise für die Insulinproduktion verantwortlich sind, zerstört werden. Für diese Zerstörung sind vom Körper selbst produzierte Antikörper verantwortlich, die im Blut von Typ-1-Diabetikern nachweisbar sind (Autoimmunerkrankung).

Die Ursache ist bis heute nicht geklärt. Erbliche Faktoren, immunologische Fehlsteuerungen und äußere Einflüsse (z.B. Infektionen, Stress) werden als mögliche Ursachen diskutiert. Zehn bis 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren mit einem Typ-1-Diabetes haben erstgradige Verwandte mit einem Diabetes und somit eine familiäre »Vorbelastung«.

Auf Warnsignale reagieren
Der erste wichtige Schritt für das Leben mit Diabetes besteht nach der Diagnose darin, mit regelmäßigen Insulingaben den Stoffwechselhaushalt der Kinder zu normalisieren. Wichtigstes Ziel ist es, dass das Kind eine gute Stoffwechseleinstellung mit möglichst vielen normalen Blutzuckerwerten erreicht, um der Entwicklung von Schäden an Augen und Nieren vorzubeugen. Diese Komplikationen können bereits ab dem Pubertätsalter auftreten.

In spezialisierten Praxen und Kliniken (Bremerhaven: DRK-Krankenhaus am Bürgerpark; Bremen: z.B. diabetologische Schwerpunktpraxen, Klinikum Bremen-Mitte Professor Hess Kinderklinik, Klinikum Bremen-Nord) lernen Eltern und Kinder, den Blutzucker zu messen, ihre Ernährung auf die Krankheit abzustimmen, Insulin zu spritzen und auf Warnsignale des Körpers zu reagieren. Wieder zu Hause, kann das Kind von einem Disease-Management-Programm (DMP) wie dem »AOK-Curaplan« profitieren: Regelmäßige Untersuchungen stehen hier genauso auf dem Programm wie altersgerechte Schulungen. Experten stehen den Familien bei allen Fragen und Sorgen rund um das Thema Diabetes zur Seite.

Naschen in kleinen Mengen erlaubt
Grundsätzlich gilt: Ist der Stoffwechsel gut eingestellt, sollte das Kind die Chance haben, ein möglichst normales Leben zu führen. Anders als früher bedeutet Diabetes beispielsweise heute keine spezielle Diät mehr. „Ausgewogen und gesund zu essen, ist das A und O“, sagt Dr. Markus Köhl. Als Faustregel gilt: Die Kinder sollten reichlich pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Vollkornprodukte, Obst in Maßen, aber nur wenig tierische und fettreiche Lebensmittel essen. „Auch Naschen ist nicht mehr tabu.“ Ganz wichtig ist allerdings, dass Eltern und Kinder angeleitet von Experten lernen, wie sie die Energiezufuhr übers Essen und Trinken optimal mit den Insulingaben kombinieren. Dies ist mit einer hohen Eigenverantwortung gekoppelt.

Umfeld informieren
Was intellektuelle Leistungen und Sport betrifft, können Kinder mit Diabetes genauso gut lernen und genauso schnell rennen wie andere Kinder. „Es gibt keinen Grund, bei ihnen andere Maßstäbe anzulegen als bei gesunden Kindern“, sagt Dr. Köhl. Allerdings stoßen betroffene Familien oft auf große Unsicherheit bei Erziehern und Lehrern. Viele haben Angst, etwas falsch zu machen oder im Notfall nicht zu wissen, was zu tun ist. Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern sie von sich aus möglichst offen und umfassend informieren. Sie sollten ihrem Kind genau erklären was es selbst kann, wann es Unterstützung braucht und was im Notfall zu tun ist. Auch sollten Eltern keine Scheu haben, Erziehern und Lehrern Infomaterial an die Hand zu geben. Die Kultusministerien der Länder informieren Pädagogen zum Teil sehr gezielt darüber, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollten.

Offener Umgang mit der Krankheit
„Eine ganz wichtige Aufgabe von Erziehern und Lehrern besteht darin, den Kindern innerhalb der Gruppe keinen »Exoten-Status« zu verleihen“, sagt Dr. Köhl. Am besten funktioniert das, wenn die anderen Kinder gut darüber aufgeklärt sind, was mit ihrem Altersgenossen los ist. Je selbstbewusster das Kind mit seiner Krankheit umgeht, desto leichter ist das. Der informative und offene Umgang trägt ganz wesentlich dazu bei, dass es erst gar nicht zu Hänseleien und zum Außenseiter-Dasein kommt. Wenn es ums Essen zu einer bestimmten Uhrzeit, Blutzuckermessen und Spritzen geht, sind schon Grundschüler hierbei meist ziemlich fit und selbstständig. Allerdings müssen die Lehrer sie im Schulalltag in der Regel noch daran erinnern, weil sie andere Dinge im Kopf haben. Sinnvoll ist es auch, dass Lehrer immer eine Portion Traubenzucker parat haben, falls das Kind unterzuckert sein sollte. Toben, Schulsport, AGs, Sportvereine – ein Kind mit Diabetes kann alles mitmachen, muss aber zwischendurch bei Bedarf zuckerhaltige Nahrung oder Getränke zu sich nehmen können. Besonders bei Sport, der Kraft und Ausdauer erfordert, kann das nötig sein. Stehen ein Ausflug oder eine Klassenfahrt an, gilt auch hier: Die Pädagogen müssen auf jeden Fall Bescheid wissen und für den Notfall gerüstet sein.

Kind gut begleiten
Essen, Messen, Spritzen – einmal gelernt, wird die eher technische Seite des Diabetes bei den meisten Patienten schnell Routine. Je nach Alter gehen Kinder undJugendliche jedoch anders mit ihrer Krankheit um. Was das Grundschulkind noch als normal hinnahm, empfindet die pubertierende 14-Jährige vielleicht als peinlich und belastend. „Die ständige Herausforderung für Eltern besteht darin, ihr Kind in all diesen Lebenslagen gut zu begleiten, ohne das Thema Diabetes ständig in den Vordergrund zu stellen. Dabei ist gleichzeitig die große Herausforderung, dass das eigene Verantwortungsgefühl geschult und ausgeprägt werden muss“, so Dr. Köhl. Denn diese Kinder brauchen sehr früh eine Eigenverantwortung. „Wie war der Blutzucker?“ ersetze nicht selten in Diabetiker-Familien die Frage „Wie war es in der Schule?“. Gerade in der Pubertät führt diese Sorge um das Wohlbefinden vielfach zu Auseinandersetzungen mit den Heranwachsenden, die die ohnehin schwierige Lebensphase in der Familie weiter belasten. Jugendliche sind schnell genervt, wenn sie immer wieder hören, welche langfristigen Folgen unvernünftiges Verhalten bei Diabetes haben kann. Positive Motivation lautet hier das Zauberwort: Die Eltern sollten ihre Kinder darauf aufmerksam machen, was der ausgeglichene Stoffwechsel jetzt mit ihnen macht, statt sich auf später zu konzentrieren. Das ist oft leichter gesagt, als im Alltag getan. Die besten Tipps und Tricks sowie den meisten Trost für den Alltag finden Patienten oftmals bei Gleichgesinnten in Selbsthilfegruppen. Sie gibt es nicht nur für die Eltern von Diabetiker-Kindern, sondern auch für die Kinder und Jugendlichen selbst.


MEHR ZUSATZLEISTUNGEN

Die AOK Bremen/Bremerhaven bietet das Leistungspaket »500 € PLUS« an. Das heißt, die Gesundheitskasse zahlt jährlich bis zu 500 Euro (pro AOK-versichertem Familienmitglied) für zusätzliche Gesundheitsleistungen, zum Beispiel für Homöopathie, Osteopathie und jährlich eine professionelle Zahnreinigung (max. 40 Euro). Seit Januar 2017 erstattet die AOK für Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren einmal jährlich 80 Prozent der Rechnung für eine Diabetes-Typ-1-Früherkennungsuntersuchung. Und: Für Typ-I-Diabetiker übernimmt die AOK 80 Prozent der Rechnung für das Glukose-Messsystem »FreeStyle Libre« (max. 60 Euro) und die Messsensoren »Free-Style Libre«, wenn Diabetes-Typ-I vom Vertragsarzt diagnostiziert und »FreeStyle Libre« verordnet wurde. Weitere Infos zu dem Angebot unter www.aok.de/bremen oder unter Telefon 0471 16-77 250.


Disease-Management-Programm (DMP) »AOK-Curaplan« auch für Kinder!

Die AOK bietet Versicherten mit bestimmten chronischen Krankheiten ein spezielles Behandlungsprogramm namens AOKCuraplan. Dadurch soll die Behandlung verbessert und das Risiko für Komplikationen und Folgeschäden verringert werden. Die Teilnahme ist freiwillig und für Patienten kostenfrei. Eine Heilung des Typ-1-Diabetes ist bisher nicht möglich. Daher ist es wichtig, dass die Patienten wissen, wie sie mit ihrer Erkrankung gut leben und Folgeerkrankungen vermeiden können. Die Schwerpunkte von AOK-Curaplan sind die Einstellung des Blutzuckers, augenärztliche Kontrolluntersuchungen und die Vermeidung von Begleiterkrankungen wie des diabetischen Fußes. Außerdem lernen Diabetiker und ihre Angehörigen in speziellen Schulungen, mit der Krankheit im Alltag umzugehen. Weitere Infos unter www.aok.de/bremen > Medizin & Versorgung > AOK-Behandlungsprogramme


LINKS
Deutsche Diabetes Gesellschaft: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
Deutsche Diabetes-Hilfe: www.diabetesde.org
Diabetes-Ratgeber: www.diabetes-ratgeber.net/Kinder-und-Diabetes
Diabetes-Kids: www.diabetes-kids.de


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