Gesellschaft 13.02.2017
Von: mb

Giftjäger – Verbraucher decken gefährliche Inhaltsstoffe auf


Giftjäger

Giftjäger (Foto: Anna Grigorjeva shutterstock.com)

Weit gefehlt – egal ob Holz oder Plastik, Markenoder No-Name-Produkt, Herstellung in Deutschland oder anderorts – die in letzten Jahren vorgenommenen Tests von Stiftung Warentest zeigen, dass sich nicht wirklich viel in Punkto Sicherheit und Unbedenklichkeit von Spielwaren verbessert hat: 2010 waren 43 der 50 getesteten Spielwaren für Kleinkinder mit Schadstoffen belastet, 2011 erwies sich jedes sechste Spielzeug als mangelhaft und 2015 fielen zwei Drittel der geprüften Kuscheltiere durch den Sicherheits- und Schadstofftest.

Nicht zu sehen, nicht zu riechen

Dass man die Finger besser von allem lassen sollte, was parfümiert ist oder unangenehm riecht, ist selbstverständlich. Doch zeigte sich schon im erwähnten Test von Holzspielzeugen, dass ein Fehlen von starken Ausdünstungen keinesfalls darauf schließen lässt, dass keine giftigen Schadstoffe in den Spielsachen stecken. Besonders erschreckend: In einem Spielzeugdrachen wurde im Test 2015 sogar ein Schadstoff entdeckt, der schon lange in der EU verboten ist. Und noch eine Erkenntnis bringt die Welt der Eltern ins Schwanken, die bisher dachten, dass sich Schadstoffe aus dem Fell von Kuscheltieren auswaschen oder auslüften lassen: das ist ein Trugschluss, wie ein Testversuch von Stiftung Warentest zeigte.

Es gibt in der EU gesetzlich festgelegte Grenzwerte für Schadstoffe in Spielzeugen. Diese sind allerdings heftig umstritten. Das liegt nicht nur daran, dass Deutschland von der EU gezwungen wurde, die Regelungen für Spielzeuge der Spielzeugrichtlinie von 2009 weitgehend anzupassen, wodurch die Grenzwerte für Giftstoffe etappenweise angehoben wurden. Auch der BUND und Prüfstellen wie Öko-Test verweisen darauf, dass bestimmte, bereits bekannte Schadstoffe gar nicht mit einem Grenzwert belegt sind. Außerdem wird bei den Regelungen streng zwischen Kinderspielzeug und Bedarfsgegenständen unterschieden, was dazu führt, dass beispielsweise ein Schnorchel-Set für Kinder gefährliche Gifte enthalten darf, die in einem Beißring verboten wären, obwohl der Schnorchel definitiv ebenso im Mund der Kinder landet, wie der Beißring.

Bei den Angaben dieser Grenzwerte für das jeweilige Spielzeug wird außerdem völlig außer Acht gelassen, dass sich die täglich aufgenommenen Giftstoffmengen im Alltag der Kinder summieren. iftstoffe finden sich leider überall: in Lebensmitteln, Alltagsgegenständen, Spielsachen, Stiften, Cremes und Shampoos, der Luft oder im Wasser. Giftstoffe ganz zu verbieten, scheint gar nicht erst zur Debatte zu stehen.

Vielmehr zeigt das Prinzip, eine bestimmte Menge an Giftstoffen in Spielzeug gesetzlich zu erlauben, dass der Schutz und die Gesundheit von Kindern den wirtschaftlichen Interessen und der Profitgier untergeordnet werden – und das sogar von Seiten der Politik. Dass die Hersteller selbst wenig Interesse daran haben, freiwillig kostspieligere und weniger belastete oder sogar unbelastete Materialien zu verwenden, liegt auf der Hand. Technisch machbar wäre es für die Hersteller ohne Probleme, unbelastete Produkte zu produzieren.

Verbraucher entlarven Gift-Spielzeug

Durch die europäische Chemikalienverordnung REACH (Registrierung, Evaluierung (Bewertung) und Autorisierung (Zulassung) von Chemikalien) haben Verbraucher seit 2007 das Recht, beim Hersteller oder Händler eines Produkts nachzufragen, ob sich darin ein besonders gefährlicher Stoff befindet. Die anzugebenden Stoffe werden mit der offiziellen Liste der Europäischen Union für besonders gefährliche Substanzen abgeglichen. Der BUND hat einen Generator entwickelt, um die Verbraucheranfrage zu vereinfachen: Die ToxFox-App. Es genügt, den Barcode des Produktes einzuscannen oder einzugeben und wenn das Produkt noch nicht in der ToxFox-Datenbank gelistet ist, eine automatisierte, vorformulierte Mail an den Hersteller zu senden. Die Unternehmen sind verpflichtet, innerhalb von 45 Tagen zu antworten, die Antwort fließt wieder in die Datenbank ein und steht bei der nächsten Anfrage sofort zur Verfügung. Auch wenn die offizielle Liste der Europäischen Union für besonders gefährliche Substanzen aktuell nur 169 von schätzungsweise 1500 besonders gefährlichen Stoffen führt, die es auf dem europäischen Markt gibt, so ist der Aufbau der Datenbank nicht nur ein hilfreiches Tool, um eine Kaufentscheidung zu treffen, sondern auch ein politisches Statement der Verbraucherinnen und Verbraucher für mehr Transparenz und bessere Produkte.


Toxfox-App: https://www.bund.net/themen/chemie/toxfox/

Infos zu allen veröffentlichten Produkt-Rückrufen und Verbraucher-Warnungen: http://www.cleankids.de/2014/06/26/unsere-produktrueckrufe-jetztauch-als-app-fuer-iphone-verfuegbar/48169

Rapid Alert, Ein wöchentliches Schnellwarnsystem der Europäischen Kommission, das gefährliche Produkte aus dem Non-Food-Bereich ausweist:
https://ec.europa.eu/consumers/consumers_safety/safety_products/rapex/alerts/main/?event=main.listNotifications

Download der BUND-Broschüre »Achtung Spielzeug! Gesundheitsgefährliche Chemikalien in Kinderprodukten«: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/chemie/chemie_spielzeugtest.pdf


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