Service & Gesundheit 09.02.2016

Schnelle Hilfe – Impfungen für Flüchlinge durch Gesundheitsamt und Ärzte


Schnelle Hilfe (Foto: PR Archiv AOK Bremen/Bremerhaven)

Schnelle Hilfe (Foto: PR Archiv AOK Bremen/Bremerhaven)

Flüchtlinge erhalten in Bremen und Bremerhaven schnell einen ausreichenden Impfschutz. Das stellt das Bremer Gesundheitsamt derzeit in Kooperation mit der Ärztekammer Bremen sicher. Rund 200 Ärztinnen und Ärzte, Medizinische Fachangestellte und Krankenschwestern sind seit dem Herbst dem Aufruf der Ärztekammer gefolgt, die Aufgabe ehrenamtlich zu übernehmen. In Bremerhaven impfen niedergelassene Ärzte dagegen in ihrer Praxis – im Rahmen der normalen Versorgung.

Seit Anfang November sind in Bremen bisher rund 4000 Flüchtlinge gegen Grippe, Mumps, Masern und Röteln geimpft worden, berichtet Martina Sappa, Leiterin des Referats Kinder- und Jugendgesundheitsdienst beim Bremer Gesundheitsamt. „Die Akzeptanz unter den Flüchtlingen ist sehr groß“, betonte sie, „die Flüchtlinge sind meist sehr aufgeschlossen.“ Die Impfkampagne in den Flüchtlingsunterkünften ist inzwischen aber abgeschlossen, jetzt sollen neue Flüchtlinge bereits in der Zentralen Aufnahmestelle (ZAST) geimpft werden. Die Ankommenden werden vorher mit Infoblättern des Robert-Koch-Instituts in ihren jeweiligen Sprachen über die Aktion informiert, außerdem sorgen Dolmetscher für die notwendige Impfaufklärung. Alle geimpften Flüchtlinge bekommen danach einen eigenen Impfausweis.

In Bremerhaven haben die niedergelassenen Ärzte die Flüchtlinge im Rahmen der normalen Versorgung geimpft. „Wir haben aber schon im Blick, ob und wo wir noch nachsteuern müssen“, betont Ronny Möckel, Leiter des Gesundheitsamtes Bremerhaven. Impflücken dürfe es nicht geben. Vor allem unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge müssen laut Martina Sappa zum Beispiel zusätzlich Tetanus-, Diphterie-, Polio- und Pertussis-Impfungen erhalten. Die Bremer Gesundheitssenatorin Professor Eva Quante-Brandt lobte das Engagement der Beteiligten und wies auch auf das gute Niveau der medizinischen Versorgung für Flüchtlinge im Stadtstaat hin.

Flüchtlinge können in Bremen, Bremerhaven und Hamburg schnell und unbürokratisch zum Arzt, wenn sie krank sind.

Der Grund dafür ist das »Bremer Modell«: Die AOK Bremen/Bremerhaven sorgt als bisher einzige Krankenkasse in Deutschland dafür, dass Flüchtlinge im Land Bremen und in Hamburg umgehend eine elektronische Gesundheitskarte erhalten.

In den anderen Bundesländern müssen kranke Asylbewerber den Arztbesuch dagegen erst umständlich und zeitraubend bei den zuständigen Behörden beantragen, bevor sie zum Arzt gehen können.

Krankheiten können so aber verschleppt werden. Das Bremer Modell hat dagegen nicht nur praktische Vorteile – es spart auch Geld. Denn Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken können ihre Leistungen wie bei gesetzlich Versicherten direkt über die AOK Bremen/Bremerhaven abrechnen.

Die Kosten und die Prüfung der Behandlungen und Leistungen werden dabei aber nicht aus Beitragsgeldern der AOK-Mitglieder getragen, vielmehr stellt die AOK den Sozialbehörden die Leistungen in Rechnung – sie werden also komplett aus Steuergeldern bezahlt. Für die Kommunen rechnet sich das, weil unnötige Bürokratie wegfällt.

Asylbewerber können nach derzeitigem Recht aber nur eingeschränkte medizinische Leistungen in Anspruch nehmen: Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände sowie Leistungen für werdende Mütter und Wöchnerinnen sind möglich. Aber es gibt zum Beispiel keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Auch Vorsorgekuren, Reha-Maßnahmen, Zahnersatz, kieferorthopädische Behandlungen oder Psychotherapien sind nicht vorgesehen. 


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