Freundebücher

Freundebücher haben längst die Poesiealben vorheriger Generationen abgelöst. Und wenn man heutzutage eines für sein Kind sucht, wird man von der riesigen Auswahl fast erschlagen. Viele Freundebücher richten sich streng nach den typischen Klischees, nur wenige sind wirklich empfehlenswert.

Freundebücher

Freundebücher (Foto: Pressmaster shutterstock.com)

basta! hat das große Angebot genauer unter die Lupe genommen und schnell wurde klar, dass die Auswahlmöglichkeiten schon in dem Augenblick immens schrumpfen, in dem man das Alter des Kindes als erstes Kriterium anlegt. Dann teilt sich der große Berg der Freundebücher in vier kleinere Haufen auf: in die Zielgruppen Kindergartenkinder, Grundschüler, Jugendliche und Erwachsene.

Diese Haufen werden von den meisten Herstellern in Mädchen- und Jungenbücher aufgeteilt. Die Bücher für Mädchen sind dem Klischee entsprechend in Pink, Glitzer oder mit Pferdebildern gestaltet, während die Jungen-Varianten an gedeckten Farben sowie Technik- oder Abenteuer-Motiven zu erkennen sind. Für Eltern, die ihr Kind ungern in eine vordefiniertes Rollenbild drängen möchten, kommen diese Freundebücher nicht in Frage.

Die Rollenprägung steckt dabei bei manchen Büchern nicht nur im Design, sondern auch in kleinsten Details. Für Eltern lohnt es sich deshalb, vor dem Kauf einen Blick auf die Fragestellungen zu werfen. Unserer Redaktion fiel besonders negativ auf, dass sich in Mädchenbüchern die Fragen rund um »Modemarken«, »Jungs«, »Lügen« und »Lästern« drehen, wohingegen sich in Büchern für Jungs die Themen »Streiche«, »Schimpfwörter« und »Mut« fanden. Werden Kinder mit diesen Fragen konfrontiert, wird ihnen weisgemacht, dass sie als Mädchen großen Wert auf ihr Äußeres legen und als Junge besonders frech sein müssten. Die Möglichkeit der Selbstverwirklichung wird gar nicht erst zugelassen, die angebotenen Kategorien wirken klischeehaft und dümmlich.

Wenn man sein Kind darüber hinaus nicht konsumorientiert erziehen möchte, scheiden all jene Bücher aus, die eher Merchandising-Produkten ähneln und deren Ziel zu sein scheint, dass sich die Kinder noch stärker mit Bob, dem Baumeister, Prinzessin Lillifee, Monster High, Star Wars oder einer anderen angesagten Figur und Erlebniswelt aus TV und Film identifizieren. Ebenso wenig überzeugten Bücher, die nicht über die Standard-Fragen nach Haar- und Augenfarbe, Lieblingsessen, -film und -buch hinausgingen.

Fragen kritisch prüfen

Wer also sicher gehen will, dass das ausgewählte Freundebuch wirklich sinnvoll, altersgerecht und auch noch interessant ist, der muss die Bücher in die Hand nehmen und sich kritisch alle Inhalte anschauen. Auf diese Weise überraschte ein viel gelobtes Freundebuch für Grundschüler bei der Prüfung durch die Redaktion beispielsweise mit einer chaotischen Groß- und Kleinschreibung, die falsch und vollkommen durcheinander gewürfelt war – nicht besonders hilfreich für Kinder, die das Lesen und Schreiben gerade erst erlernen.

Ein weiterer Aspekt, der bei der Auswahl unbedingt beachtet werden sollte: das Ausfüllen mancher Freundebücher kann unerwartet in stundenlange Arbeit ausarten. Da muss das Kind nicht nur eine ganze Doppelseite ausfüllen und anmalen, sondern es folgen noch diverse sogenannte »Mitmachseiten«, auf denen es sich ebenfalls mit Kreativität und Witz verewigen soll. Und währenddessen stellt sich dann oft heraus, dass dem Kind die Lust am Freundebuch vergangen ist. Damit es nicht monatelang halbfertig herumliegt – und um Stress und Ärger mit dem Nachwuchs zu vermeiden – füllen die Eltern dann selbst die Zusatzseiten für ihr Kind aus.

Es gibt unter den unzähligen Freundebüchern jedoch nicht nur Negativbeispiele, sondern auch einige empfehlenswerte Exemplare: wirklich schöne, sinnvolle Freundebücher mit witzigen und interessanten Inhalten, ganz ohne Rollenklischees. Drei dieser Freundebücher finden sich auf der kommenden Seite unter den Freundebuch-Tipps.

Selbstverständlich können Freundebücher aber auch selbstgestaltet werden. Entweder man nutzt ein schönes Notizbuch, schreibt eigens ausgedachte Fragen hinein, die das eigene Kind wirklich interessieren, verziert das Ganze mit buntem Wasabi-Tape, malt Umrandungen und Felder bunt an und verwendet hübsche Aufkleber. Oder man nutzt eine der schönen Vordrucke (Printables) aus dem Internet (siehe Link-Tipp). Auch bei Pinterest (www.pinterest.de) sind ein paar nette Online-Vorlagen zu finden.


LINK-TIPP
Vorlagen zum Aufkleben

Hier findet Ihr eine tolle Vorlage, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Einfach auf weißem oder buntem Papier ausdrucken, ausschneiden und in das Notizbuch hinein kleben. https://www.servus.com/de/p/Basteln-mit-Kindern%3Aein-buntes-Buch-für-beste-Freunde/SA0009AH/

FREUNDEBUCH-TIPPS
Freundebuch (Kindergarten/Grundschule)

»Mein hasenstarkes Abenteuer- Freundebuch« In diesem Buch müssen zwar vier Seiten ausgefüllt werden, doch sind diese alles andere als »Standard« und machen richtig Freude.
VERLAG Duden
SEITEN 96
ISBN 978-3-411-75515-8

Freundebuch (Grundschule)
»Freunde! Mein Buch für Euch« Farbenfroh und simpel mit vielen Fragen, die man sonst nicht so häufig gestellt bekommt.
VERLAG RatzRaum
SEITEN 56
ISBN 978-3-000-49264-8

Freundebuch (Jugendliche/Erwachsene)
»Freunde sind wie die Luft zum Atmen – Das besondere Erinnerungsalbum« Definitiv mehr Arbeit zum Ausfüllen, doch das sollte bei der Altersklasse machbar sein. Richtig witzig!
VERLAG Panini
SEITEN 80
ISBN 978-3-833-22737-0

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